Die Kaiserhuldigung an der Porta Westfalica im Jahr1896

"Als am 18. Oktober 1896 das Kaiserdenkmal an der Porta Westfalica in Gegenwart der Kaiserlichen Majestäten eingeweiht werden sollte, erging die Anfrage nach Berlin, ob vielleicht den Posaunenchören der Jünglingsvereine gestattet sei, bei dieser Gelegenheit einige Stücke vorzutragen. Die Zeitungsschreiber entsetzten sich darüber und meinten, das werde doch hoffentlich verboten werden. Es sei eine Schmach und Schande für die ganze Provinz, wenn diese ungebildeten Menschen ihre herzzerreißenden Töne von sich gäben. Aber siehe da, die Erlaubnis wurde erteilt und eine besondere Tribüne für unsere Jungens bestimmt. Dieselbe reichte freilich nicht aus, denn statt der erwarteten 700 kamen 1300.

 
Bild Bild Bild


(1) Kaiser-Wilhelm-Denkmal Porta Westfalica

(2) Statue Kaiser Wilhelm I
in "segnender" Pose

(3) Aus einem handschriftlichen
Jöllenbecker Notenheft

So mußte der Posaunengeneral Pastor Kuhlo eine Auswahl unter ihnen vornehmen. Die Rekruten wurden zurückgestellt und nur die 900 besten Bläser zur Huldigung zugelassen. Als dieselben in ihrer schlichten Kleidung mit ihren Hörnern heranzogen, hieß es allgemein: die Klutentreter, diese Blechjungen, diese Posaunenengel, weniger Höfliche sagten Posaunenbengel, die werden einmal gehörig hereinfallen und dem allgemeinen Gespötte preisgegeben. Aber es kam ganz anders. Pastor Kuhlo hatte seine Jungs so gut einexerziert, daß ihre kräftigen, hellen und klaren Töne staunende Bewunderung hervorriefen. Auch der Kaiser sprach sich höchst befriedigt über ihre Leistungen aus. und erkundigte sich in eingehender und freundlicher Weise nach den Einrichtungen unserer Vereine.
 
Den Schluß sollte der Parademarsch der Truppen bilden, selbstverständlich unter der Begleitung der Regimentsmusik. Durch ein Mißverständnis setzen unsere Jünglinge noch einmal ihre Instrumente an den Mund und bliesen so laut und mächtig, daß die Militärmusik davon völlig übertönt wurde. So ist denn zum ersten Mal, seit die preußische Armee besteht, der Parademarsch nach der Melodie 'Wachet auf, ruf uns die Stimme' ausgeführt worden."

Aus: Krummacher, Karl, Lobe den Herrn, meine Seele! Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Westdeutschen Jünglingsbundes. Elberfeld 1898, S. 125, 128