Heinrich Strunk: Der erste Chorleiter

Etwa Mitte der sechziger Jahre wächst ein junger Mann aus eigenen Reihen aufgrund seiner herausragenden musikalischen Begabung in die Rolle eines Posaunenchorleiters. Es ist der Weber Heinrich Strunk (1841-1910), von dem berichtet wird, er habe mit seiner herrlichen und kräftigen Tenorstimme die einzelnen Stimmen vom Notenblatt mit einer Treffsicherheit vorgesungen, die ihresgleichen suche. Wie die anderen Chormitglieder verfügt auch er als einfacher Weber über keine besondere musikalische Vorbildung.

Im Jahre 1861 tritt er als Zwanzigjähriger in den Jünglingsverein ein und wird bereits sieben Jahre später als Vertreter der jüngeren Vereinsmitglieder ("Jünglinge") in den Vorstand gewählt.  Ab 1870 vertritt er den Jöllenbecker Verein und Posaunenchor im Minden-Ravensberger "Gauverband", in dem unter der Leitung von Pastor Eduard Kuhlo die großen überregionalen Jünglings- und Posaunenfeste Gestalt gewinnen.

Heinrich Strunk Heinrich Strunk wird uns beschrieben als ein Mann "innigster Frömmigkeit, schlicht von Charakter und von ungewöhnlicher Fröhlichkeit.  Klar im Denken und Urteilen, im Dienst der Vereine von einer Arbeitslust und Hingabe, die nie ermüdete. Fast den ganzen Sonntag widmet er den Chören, der bereits in der Frühe vor dem Gottesdienst mit den Posaunen beginnt, sich am Nachmittag mit der Chorstunde des "Jungfrauenvereins" fortsetzt und erst abends mit der Singstunde im Jünglingschor sein Ende findet."

Über die Singstunden wird berichtet: "Sie verlaufen in der gemütvollsten Weise.  Einzelne Stellen des Gesangsstückes werden besonders beachtet, die Crescendos und Solis werden plattdeutsch besprochen und die Stimmen dafür ausgewählt. Zwischendurch werden Vereinsangelegenheiten erzählt und besprochen. Die Stunden werden mit Gebet geschlossen, zu welchem die Mitglieder niederknieten." Rund 40 Jahre hat Heinrich Strunk den Posaunen- und Männerchor des Jünglings-
vereins geleitet, bis seine Gesundheit nachlässt und etwa um 1907 der Weber Hermann Stender (1859-1938) von ihm die Chorleitung übernimmt.

Posaunenfoto 1877: rechts Heinrich Strunk,
links sein späterer Nachfolger Hermann Stender.

Strunk und Stender

Strunk hat auch den Chor des "Jungfrauenvereins" über einen Zeitraum von 27 Jahren (1870-1897) geleitet. Es ist kaum in Worte zu fassen, welche Bedeutung sein Dienst, der über mehrere Jahrzehnte die gesamte geistliche Chormusik geprägt hat, für die beiden Vereine und die Kirchenmusik in Jöllenbeck gehabt hat.
Die so gern und so zahlreich in Jöllenbeck gefeierten Feste, sowie die musikalisch reich ausgestalteten Festgottesdienste geben davon ein eindrucksvolles Zeugnis. "Es wurde sehr schön gesungen und man fühlte, dass nicht nur die Lippen, sondern auch die Herzen sangen." "Und die Leistungen waren so auf der Höhe", weiß ein Zeitgenosse stolz zu berichten, "dass sie nicht überboten werden konnte, als später auch in den umliegenden Dörfern und Städten Vereine und Chöre entstanden."
Alle drei Chöre bilden gemeinsam bis etwa 1945 die Kirchenmusik in Jöllenbeck: Posaunen- und Männerchor des "Jünglingsvereins" und der Frauenchor des "Jungfrauenvereins"